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Zytostatikahandhabung - Wechselwirkungen

Wechselwirkungen

Die Metabolisierung vieler Medikamente geht über Cytochromoxidasen (P450) im en-doplasmatischen Retikulum der Zellen. Primär in allen Zellen vorhanden, ist der Hauptanteil (70 %) jedoch in der Leber und im Dünndarm. Es gibt über 100 Isoenzyme, die sich primär in 4 Klassen CYP1–4 unterteilen. Für den Abbau der Medikamente, besonders der Zytostatika und Signaltransduktions-Inhibitoren, sind die Isoenzyme CYP3A4 (50 %), CYP2D6 (25 %) und CYP2C8/9 (15 %) verantwortlich. Einige dieser Cytochromoxidasen unterliegen einem genetischen Polymorphismus, der zu Isoenzymen mit sehr unterschiedlicher Aktivität führen kann. Beim Isoenzym CYP2D6 gehören z. B. 10 % der weißen Bevölkerung zu den ultraschnellen Metabolisierern mit erheblicher Auswirkung auf eine Medikamentenwirkung.

 

Eine Komedikation mit andern Medikamenten kann folgende Probleme ergeben:

 

  1. Inhibition der Isoenyme (konkurrierend) mit
    a) verlangsamtem Abbau mit höherer Wirkung/Nebenwirkung der Komedikation
    b) verlangsamtem Abbau mit höherer Wirkung/Nebenwirkung der
         Tumormedikation
  2. Stimulation der Isoenzyme mit
    a) vermehrtem Abbau und geringer Wirkung des Therapeutikums
    b) vermehrter Umwandlung in aktive Metaboliten und höherer Wirkung

 

Auflistung der wichtigsten Komedikamente

 

Inhibitoren von CYP3A4

 

  • Antimykotika: Ketoconazol, Clotrimoxazol, Fluconazol, Itraconazol, Voriconazol
  • Antibiotika: Clarithromycin, Erythromycin, Metronidazol, Norfloxacin, Telithromycin
  • AIDS-Medikamente: Atazanavir, Delavirdin, Indinavir, Nefazodon, Nelfinavir, Ritonavir, Sanquinavir
  • Gastroenterologika: Cimetidin, Omeprazol
  • Kardiologika: Diltiazem, Nifedipin, Verapamil
  • Psychotherapeutika: Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin
  • Benzodiazepine: Midazolam, Diazepem, Triazopam, Alprazolam
  • Andere: Grapefruitsaft!

 

Induktoren von CYP3A4

 

  • Kortikosteroide
  • Antiepileptika: Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital
  • Tuberkulostatika: Rifampicin, Rifabutin, Isoniazid
  • Andere: Johanniskraut!

 

Inhibitoren von CYP2D6

 

  • Betablocker: Metroprolol, Carvedilol
  • Psychopharmaka: Imipramin, Aminotryptilin
  • Antiarrhythmika: Lidocain, Flecainid

 

Inhibitoren von CYP2C9

 

  • Antikoagulanzien: Warfarin, Procumaron
  • NSAID: Celecoxib, Ibuprofen
  • Antidiabetika: Tolbutamid
  • Antiepileptika: Phenytoin

 

Inhibitoren von CYP1A2

 

  • Theophyllin, Paracetamol, Coffein

 

Die möglichen Wechselwirkungen einzelner Med. sind über www.drugs.com/drug_interactions.php zu erfahren.

 

Eine Aufstellung aller Substrate für eine mögliche P450-Medikamentenwechselwirkung ist unter http://medicine.iupui.edu/clinpharm/ddis/table.aspx einzusehen, alle klinisch wichtigen Substrate sind übersichtlicher auf der gleichen URL unter http://medicine.iupui.edu/clinpharm/ddis/ClinicalTable.aspx aufgeführt.

 

Konkurrierende renale Auscheidung

 

Viele Onkologika werden renal ausgeschieden, meist durch tubuläre Sekretion. Sie treten in Konkurrenz zu anderen Arzneimitteln und können durch verminderte Ausscheidung eine erhöhte AUC-Kurve und damit auch eine verstärkte Wirkung zeigen. Typische Medikamente für eine tubuläre Sekretion sind: NSAIDs, Amphotericin B, Methotrexat, Aminoglykoside, Organoplatin-Komplexe, Foscarnet, Pentamidin, Ciclosporin, Tacrolimus, Aciclovir und Valganciclovir.