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Solide Tumoren - Niere und Harnwege - Nierenzellkarzinom - Therapie & Nachsorge

Nierenzellkarzinom

Therapie

 

Operative Therapie

 

Heilung nur durch operative Entfernung möglich.

 

Operative Verfahren:

 

  1. Radikale Nephrektomie (offen oder laparoskopisch): Entfernung der tumortragenden Niere, Fettkapsel mit Gerota-Faszie, prox. Ureter; kontrovers diskutiert: Adrenalektomie, Ausdehnung der Lymphadenektomie).
  2. Palliative Nephrektomie insbes. bei symptomatischen Pat. (Schmerzen, Hämaturie, unzumutbarer psych. Druck). ÜL-Vorteil nachgewiesen! Bei Hämaturie und schlechtem AZ: palliative Embolisation möglich. Resektion von singulären Met., insbes. wenn > 2 Jahre nach Tumornephrektomie diagnostiziert, sinnvoll.
  3. Organerhaltende Op.:
    a) imperative Indikation: bei bilateralen Tumoren, Niereninsuffizienz, anatomischer/funktioneller Einzelniere: organerhaltende Op. Tx der Wahl.
    b) elektive Indikation: bei gesunder Gegenniere; Standard bis Tumoren < 4 cm; in ausgewiesenen Zentren Tumoren > 4–7cm.
    In verschiedenen Arbeiten wird mittlerweile auf die ungünstigere Gesamt-ÜLR nach Nephrektomie im Vergleich zur organerhaltenden Op. hingewiesen. Der zusätzliche Parenchymverlust nach Nephrektomie führt signifikant häufiger zu Niereninsuffizienz und kardiovaskulären Erkrankungen [1].
  4. Minimalinvasive Verfahren: laparoskopische Nephrektomie in Zentren mit ausreichender Erfahrung; laparoskopische Nierenteilresektion. ggf. auch roboterassistiert [2].
  5. Radio-Frequenz-Ablation (RFA) v. a. kleiner Tumoren wird z. Zt. noch in Studien überprüft. Insbes. die lokale Tumorkontrolle scheint der offenen Op. unterlegen. Eine Indikation könnten jedoch Pat. mit rezidivierenden Tumoren (von Hippel-Lindau) darstellen.
  6. Met.-Resektion: Operative Resektion der medikamentösen Tx vorzuziehen, wenn eine R0-Resektion erreicht werden kann.

 

Strahlentherapie

 

Weder prä- noch postop. RTx verbessern die Prognose bez. Lokalrezidiv und ÜL. Als Palliativmaßnahme bei Hirnmet., bei schmerzhaften Knochenmet. oder drohender path. Fraktur indiziert. Bei singulären Hirnmet.: Resektion bzw. stereotaktische RTx sinnvoll.

 

Medikamentöse Therapie

 

Fortgeschrittenes Nierenzell-Ka.: Ziel der Tx ist nicht die Remission, sondern ein möglichst langer stabiler Krankheitszustand.

 

Die palliative Tx richtet sich nach den MSKCC-Kriterien:

 

MSKCC-Kriterien zur Beurteilung des Prognose-Risikos [3]

 

Kriterien

 

 

ECOG PS ≥ 2

Diagnose RCC bis IFN-Tx < 1 Jahr

LDH = 1,5  NW

Hb < 11 g/dl

korrigiertes Kalzium > 10 mg/dl

 

 

Risiko-Score (jeweils die Summe der Faktoren)

niedrig = 0

mittel = 1–2

hoch = ≥ 3

 

Pat. mit niedrigem oder mittlerem Risiko

1

Sunitinib

50

mg

p.o.

Tag 1–28, Wdh. Tag 43

2 Pazopanib

800

mg p.o. tgl.
3 Bevacizumab

10

mg/kg KG Inf. alle 2 Wo.
  IFN-α

9

Mio IE

s.c

3 x/Wo.

2nd-line-Therapie (nach Immun-Tx: (4–6), nach VEGF-Inhib: (7)

4

Sorafenib

800

mg

p.o.

tgl.

5

Sunitinib

50

mg

p.o.

Tag 1–28, Wdh. Tag 43

6

Pazopanib

800

mg

p.o.

tgl.

7

Everolimus

10

mg

p.o.

tgl.

Pat. mit hohem Risiko

8

Temsirolimus*

25

mg

Inf. (30–60’)

wö.

 

* Prämedikation mit einem Antihistaminikum (H1-Blocker) 30 min vor Therapie


 

Nachsorge

 

Nach radikaler Nephrektomie notwendig; individuell nach Rezidivrisiko mittels Sono, CT/MRT. Solitäre Met. sollten reseziert werden (bei 1–3 % der Pat. besteht bei Diagnose nur eine singuläre Met.! Je länger das tumorfreie Intervall, desto günstiger die Prognose).

 

Nach organerhaltender Op. in den ersten Jahren strenge urologische Nachsorge erforderlich. CT 3 Mon. nach Op. als Ausgangsuntersuchung. Mortalität in den letzten 30 Jahren leicht angestiegen.