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Solide Tumoren - Gesicht und HNO-Bereich - Kopf-Hals-Karzinome -
Therapie & Nachsorge

Kopf-Hals-Karzinome

Therapie

 

Therapie-Grundsätze: Bei den inoperablen fortgeschr. Tumoren interdisziplinäre Tx-Entscheidung, dabei neben der Tumorlokalisation und -ausdehnung Berücksichtigung von AZ, Alkohol- und Tabakabusus des Pat.

 

Stadienadaptierte Therapie: Die Wahl zwischen Op., RTx oder RCTx bei der Erstbehandlung von Kopf-Hals-Karzinomen wird in erster Linie durch die Resektabilität des Tumors bestimmt. Die Richtlinien des „National Comprehensive Cancer Network“ können als Gerüst für die diesbezügliche Entscheidung verwendet werden. Frühe Stadien sind eine Domäne der operativen Tx mit hoher kurativer Potenz, fortgeschr. Stadien können mit einer RCTx oft mit gleich guten mÜLZ, aber mit Organerhalt und höherer QoL behandelt werden.


 

Operative Therapie

Strahlentherapie

Chemotherapie

Antikörpertherapie

Primäre Radiochemotherapie


 

Lokalisationsspezifische Indikationen und Techniken

 

Larynx-Ka.: Glottis T1: RTx (66 Gy) als Alternative zur laserchirugischen Resektion. Glottis T2: Op., alternativ RTx (70 Gy); Rezidivrate aber etwas höher; Glottis T3/T4: Op. (Laryngektomie) vorrangig vor RTx (simultane RCTx der alleinigen RTx überlegen; in 43 % Larynx-Erhalt möglich; bei fehlender Remission Salvage-Laryngektomie). Fernmet. sind beim Glottis-Ka. selten. Engmaschige Nachsorge in den ersten 2 Jahren!

 

Die Tx des supraglottischen Ka. erfolgt stadienadaptiert analog dem Glottis-Ka. primär laserchirurgisch, alternativ RTx. Die Prognose der seltenen subglottischen Ka. ist wegen der früheren Lk-Met. schlechter; die postop. adjuvante RTx (mit ZV-Ausdehnung zum oberen Mediastinum) sollte hier wegen der okkulten Lk-Met. ab T2 zum Einsatz kommen.

 

Hypopharynx-Ka.: Wegen der fehlenden Beschwerden im Frühstadium meist erst in fortgeschr. Stadium entdeckt. Die Prognose wird zusätzlich durch frühe lymphogene Met. verschlechtert. Meist wegen Inoperabilität primäre RCTx indiziert. Falls operabel, sollten diese Pat. postop. unabhängig vom Stadium einer adjuvanten RTx zugeführt werden.

 

Zunge-, Mundboden-, Wangen- und Gingiva-Ka. haben in niedrigen Stadien durch Op. gute Heilungschancen; kleine Zungenrand-Ka. können auch mittels Brachy-Tx geheilt werden. Beim Gingiva-Ka. ist immer ein Knochenanteil (in 80 % Mandibula) operativ mitzuerfassen. Größere Tumoren sind infolge funktioneller Inoperabilität eine Domäne der RCTx. Ihre Prognose ist aber leider relativ schlecht.

 

Speicheldrüsen-Ka.: Adeno-Ka., adenoid-zystische Ka., Plattenepithel-Ka. Tx: Fazialiserhaltende Op.; bei inkompletter Resektion RTx. Beim adenoid-zystischen Ka. (Befall von Nervenscheiden!) bei inkompletter Resektion Schwer-Ionen-RTx  (nur in Heidelberg verfügbar) in Komb. mit Photonen (IMRT) als besonders wirksame Methode wegen schlechtem Ansprechen auf Photonen allein.

 

Palliative RTx: Als Re-Bestrahlung bei ausgewählten lokoregionären Rezidiven (immer RTx, am besten IMRT, evtl. auch interstitielle Brachy-Tx). ÜLR nach vorheriger RCTx nur 13–20 %. Eine rel. hohe Nebenwirkungsrate muss in Kauf genommen werden (Fibrosen, Stenosen, Blutungen; z. B. A.-carotis-Blutung in 2,6 %; [10]). Wirksam ist die RTx auch bei symptomatischen radiablen Fernmet.


 

Nachsorge

 

Obligat, engmaschig in den ersten 3 Jahren (HNO-Ärzte, Kieferchirurgen), da häufig Lokalrezidive und Zweittumoren im Bereich der „Schluck-Rauch-Straße“, die im Frühstadium z. T. erneut kurativ angegangen werden können. Synchrone oder metachrone Zweit- und Dritt-Ka. sind häufig (bis zu 20 %). Klinische und endoskopische Untersuchung, Us des Halses, Rö-Thorax ggf. ergänzt durch weiterführende Bildgebung (CT oder MRT) sowie Panendoskopie. Ein negatives PET-CT 4–6 Monate nach der RCTx ist ein starker Hinweis für eine erfolgreiche Tumorkontrolle [11]. Kontrolle der Schilddrüsenwerte: Hypothyreose infolge Op. oder RTx. Psychologische Betreuung bei Nikotin- und Alkoholabusus zur Suchtbekämpfung.


 

Prognose

 

Heilung ist in den frühen Stadien in den meisten Fällen zu erreichen. Mit kombinierten Tx-Formen (Op/RTx/RCTx) auch bei sehr weit fortgeschrittenen Tumoren Heilungen erreichbar. Glottische Larynx-Ka. nehmen gegenüber den anderen Kopf-Hals-Tumoren wegen ihrer deutlich besseren Prognose eine Sonderstellung ein (Frühsymptome).

 

Überlebenszeiten: Die mittleren relativen 5-J-ÜLR aller Tumorstadien liegen für Larynx-Ka. zwischen 60 % (Männer) und 65 % (Frauen), für die zusammen betrachteten Lokalisationen der Mundhöhle und des Rachens für Männer bei 46 % und deutlich besser für Frauen bei 60 %.

 

Prognosefaktoren: Die Prognose der Kopf-Hals-Ka. wird im Wesentlichen vom Ausmaß der zervikalen Lk-Met. bestimmt. HPV-positive Oropharynx-Ka. haben eine deutlich bessere Prognose als -negative.