Keimzelltumoren
Therapie
Therapieplanung und -durchführung interdisziplinär (Urologen, internistische Onkologen und Radioonkologen). Bestmögliche Heilungsraten sind nur bei konsequenter Tx unter Einbeziehung aller Optionen zu erreichen. Eine Untertherapie führt zum Verlust des kurativen Potenzials, eine Übertherapie zu schweren NW und Risiken für den Pat. Keimzelltumoren gehören nur in erfahrene Hände!
Operative Primärtherapie
Inguinale (hohe) Ablatio testis. Kontrovers diskutiert wird derzeit die routinemäßige Biopsie aus dem kontralat. Hoden durch einen Skrotalschnitt zum Ausschluss einer TIN (s. u.).
Bei weit fortgeschrittenen metastasierten Stadien mit hoher Tumorlast und symptomatischen Met. sofortige CTx vor Ablatio testis (verzögerte Ablatio) erwägen.
Testikuläre intratubuläre Neoplasie (TIN): Präkanzerose mit hohem Risiko der Entwicklung eines invasiven Hodentumors (70 % im Zeitraum von 7 Jahren). Bei 5 % der Pat. im kontralateralen Hoden nachweisbar. Bei bilateralen Verkalkungen (Mikrolithiasis) beträgt das Risiko ca. 20 %, bei Hoden < 12 ml und bei Pat. < 30 Jahren sogar mehr als 34 %. Nachweis durch Hodenbiopsie des kontralat. Hodens bei der Orchiektomie des tumortragenden Hodens. Tx der Wahl: niedrig dosierte RTx des TIN-befallenen Hodens mit 20 Gy HD (Infertilität!). Kontrollrate 100 %. Poly-CTx kann die TIN in 60–70 % dauerhaft kontrollieren; Re-Biopsie zur Verlaufskontrolle und ggf. Weiterbehandlung frühestens 2 Jahre nach Poly-CTx.
Stadienadaptierte Therapie nach Ablatio testis ![]()
Therapie extragonadaler Keimzelltumoren ![]()
Hochdosistherapie (HDT)
Insbesondere im 1. Rezidiv als individualisierte Entscheidung HD-Tx mit peripherer SZT in entsprechenden Zentren erwägen (s.o.) [7, 8]. Bis zum Start einer randomisierten Studie sollte allen Pat. die Teilnahme an einer Registerstudie [1] angeboten werden. Möglicherweise Vorteil einer intensivierten Tx auch bei Erstdiagnose und ausgedehntem viszeralen Befall u/o inadäquatem Markerabfall unter konventioneller Tx, weshalb eine prognoseadaptierte Tx-Entscheidung gefällt werden sollte, auch hierfür existiert ein Register [1].
Nachsorge
Wegen der Möglichkeit einer postprimären kurativen Tx ist eine Nachsorge einschließlich klinischer Untersuchung, Bildgebung und Tumormarkerbestimmung unerlässlich. Cave: zu häufige CT-Bildgebung erhöht das Risiko für Zweitneoplasien! Nachsorgeintervalle je nach Rezidivrisiko. Es existieren interdisziplinäre Nachsorgeempfehlungen mit entsprechenden Tabellen (siehe Leitlinien). Us der Hoden wegen kontralateralen Tumoren. Zudem in Nachsorge nach RTx oder nach Cisplatin-Tx auf erhöhtes Risiko kardialer Erkrankungen, eines metabolischen Syndroms sowie arterieller Hypertonie achten.
Prognose
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5-J-ÜLR bei Standardtherapie |
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Stadium |
Seminom |
Nicht-Seminom |
I |
98–100 % |
95–100 % |
Metastasiert, gute Prognose |
90 % |
90 % |
Metastasiert, intermed. Prognose |
80 % |
80 % |
Metastasiert, schlechte Prognose |
entfällt |
50 % |



