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Nebenwirkungen - Allgemeine Aspekte

Nebenwirkungen

Allgemeine Aspekte

 

Fortschritte in der Onkologie beruhen auf ständiger Verbesserung etablierter Tx – gerade bei multimodalen Therapieansätzen. Sie verbessern die Wirksamkeit der Tx oder vermindern die NW (Toxizität) zum Erhalt einer besseren Lebensqualität. So kann z. B. die Modulation von CTx (neue Substanzen) und RTx (Einzel-, Gesamtdosis, Fraktionierung, technische Weiterentwicklung) in sequenzieller oder simultaner Anwendung das klinische Ansprechen verbessern u/o die Tx-bedingten NW an verschiedenen Organen vermindern. Auch eine erst nachgeschaltete Chirurgie kann bei neoadjuvanten Konzepten zum Erhalt von Funktionen und Organen führen.

 

Im Verlauf jeder Tumorbehandlung ist es wichtig, Organveränderungen und Symptome durch die onkologische Tx von tumorbedingten Veränderungen (Rezidiv, Met.) und evtl. vorbestehenden nichtmalignen Begleiterkrankungen zu unterscheiden. Dies erfordert immer eine Basisdokumentation vor Beginn der Tumortherapie.

 

Tx-bedingte NW stellen somit neben dem Tumoransprechen, der Lebenserwartung und den Heilungschancen einen wichtigen Endpunkt der onkologischen Tx dar. Auftreten und Ausmaß Tx-bedingter NW sind für die zukünftige Lebensqualität des Patienten entscheidend, gerade bei langfristigem Überleben. Sie werden neben der Überlebensrate immer als zentrale Messparameter bei der Beurteilung von onkologischen Tx-Konzepten berücksichtigt.

 

Die sorgfältige Dokumentation von NW gehört zu den wichtigsten Aufgaben in der klinischen Onkologie. Dies schließt alle Tx-bedingten NW und Folgekrankheiten ein. Der internationale Erfahrungsaustausch und wissenschaftliche Fortschritt setzen die einheitliche Erfassung, Verarbeitung und Auswertung von vergleichbaren Daten über den gesamten Behandlungs- und Nachsorgezeitraum voraus. Zur Verbesserung der Qualitätssicherung in der Onkologie wurde daher eine standardisierte Dokumentation zur Erfassung Tx-bedingter NW vom National Cancer Institute, USA, entwickelt. Mehrere Arbeitsgemeinschaften in der Deutschen Krebsgesellschaft haben durch Erweiterung der CTC (s. u.) eine umfassende Systematik geschaffen, die es ermöglicht, akute und chronische NW nach CTx und RTx vollständig zu erfassen.  Daneben gibt es auch eine Systematik zur Erfassung von radiogenen Spätfolgen (LENT-SOMA). Daher sind prinzipiell akute und chronische NW voneinander zu unterscheiden. Akute NW sind definiert innerhalb von und bis zu 90 d nach der Tumortherapie, danach gelten sie als chronische NW.

 

Organspezifische und funktionelle Ausprägungen von NW, die im Rahmen onkologischer Therapiekonzepten auftreten, sind meist multifaktoriell. Man unterscheidet folgende Einflussgrößen:

 

1. Physiologische Faktoren (Pharmakokinetik der Chemotherapeutika/Supportiva); 2. biologische Faktoren (Einzel-/Gesamtdosis, Fraktionierung, Reparaturkinetik); 3. physikalische Faktoren (Strahlenart, Energie, Dosisleistung, Art der RTx); 4. kombinierte Faktoren (Interaktion mehrerer onkologischer Tx) und 5. individuelle Faktoren (Alter, Allgemein- und Ernährungszustand, Komorbidität).

 

Maßnahmen, die NW mildern (Supportiva), können selbst NW auslösen, z. B. Obstipation bei opiathaltiger Analgesie oder Nausea/Emesis bei der Gabe von radioprotektiven Substanzen. Kombinierte Konzepte (z. B. RCTx) können subadditive, additive und superadditive/potenzierende Effekte auf das Tumorgewebe und gleichzeitig in den Normalgeweben organspezifische Nebeneffekte auslösen. Zur vollständigen Erfassung müssen daher relevante organspezifische Parameter prospektiv vor Tx-Beginn, erfasst werden: Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor und gezielte Bildgebung (u. a. Röntgen, Ultraschall, Computer- und Kernspintomografie). Wesentliche Befunde sind im weiteren Tx-Verlauf zu kontrollieren, um Dosismodifikationen (zeitliche Verzögerung, D-Red.) vorzunehmen und NW zügig zu behandeln.


 

Literatur

 

  • Seegenschmiedt MH (Hrsg): Nebenwirkungen in der Onkologie. Springer, Berlin 1998