Strahlentherapie
Nebenwirkungen der Strahlentherapie
Insgesamt werden akute (bis 90 d nach RTx) und chronische Therapiefolgen unterschieden. Akute Strahlenreaktionen gleichen Entzündungsreaktionen: sie gehen z. B. mit Erythem, Ödem, Mukositis, Schmerzen und Funktionseinbußen einher und sind durch Medikamente gut zu beherrschen; sie sind in geringer Ausprägung häufig und bessern sich i. d. R. spontan innerhalb weniger Wochen nach Tx-Ende. Tx-Pausen sind möglichst zu vermeiden, um nicht die erzielte Tumorkontrolle (durch erhöhte Repopulierung) zu verringern. Starke Akutfolgen können zu verstärkten Spätfolgen führen („consequential late effects“). Zur Vorbeugung radiogener Nebenwirkungen sind sorgfältige Haut- und Schleimhautpflege, das Vermeiden weiterer Belastungen durch z. B. enge Kleidung, Tabak- und Alkoholkonsum, Kosmetika, Strahlung (Solarium, Sonne) nötig. Im HNO-Bereich sind vor der RTx die komplette Zahnsanierung und Fluoridierung der verbliebenen Zähne obligat, da sonst aufgrund des erhöhten Kariesrisikos und der geringeren Speichelproduktion das Risiko für eine Kiefernekrose (Osteoradionekrose) zu hoch ist. Ist der Therapieansatz kurativ, muss ein Spätfolgenrisiko von bis zu 5 % innerhalb von 5 Jahren oft in Kauf genommen werden. Diese äußern sich klinisch als Gewebs- und Hautfibrosen, Gefäßveränderungen (Teleangiektasien), z. T. schmerzhafte Radionekrosen im Weichgewebe oder Knochen u. v. m. Zu den lokalen Therapiefolgen kommen allgemeine Nebenwirkungen wie allgemeine Müdigkeit (Fatigue), Übelkeit (Nausea) und Appetitlosigkeit abhängig von der jeweiligen Feldgröße und Lokalisation des Bestrahlungsvolumens. Der sog. „Strahlenkater“ tritt in der Regel nur bei Großfeldbestrahlungen mit Erfassung des gesamten Vegetativums auf, z. B. im Rahmen von Lymphom-Behandlungen (Ganzabdomen-RTx).
Insgesamt ist der Einsatz moderner RTx-Techniken und -Konzepte bei sorgfältiger Planung und Durchführung nebenwirkungsarm, hoch wirksam und kostengünstig auch im Vergleich zu anderen Therapiemodalitäten.



