Strahlentherapie
Brachytherapie
Bei der Brachytherapie werden eine oder mehrere umschlossene radioaktive Quelle(n) in unmittelbarer Nähe des Tumors positioniert. Dabei können Beta- (z. B. Jod-125) und Gammastrahler (z. B. Iridium-192) verwendet werden. Wegen der geringen Photonenenergie der verwendeten Gammastrahler können hoch konformale Dosisverteilungen erreicht werden. Weltweit und auch in Deutschland hat sich das High-dose-rate (HDR)-Verfahren gegenüber dem Low-dose-rate (LDR)-Verfahren weitgehend durchgesetzt. Damit lässt sich auch das Pulsed-dose-rate (PDR)-Konzept mit mehreren Bestrahlungen am Tag umsetzen. Das früher übliche Radioisotop Radium-226 ist heute obsolet.
Zur Verminderung der Strahlenbelastung für Personal und Patienten (Strahlenschutz) wird heute ausschließlich das Nachladeverfahren (Afterloading) eingesetzt. Dabei wird ein inaktiver Applikator (Hohlnadel, Katheter) unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle in das Zielgebiet eingebracht. Erst danach wird das radioaktive Isotop aus seinem Tresor ferngesteuert über einen Draht vorgeführt und nach einem definierten Zeitplan schrittweise positioniert und dann wieder in den Tresor zurückgeholt. Eine individuell angepasste 3-dimensionale Dosisverteilung kann nach entsprechender Bestrahlungsplanung durch unterschiedlich lange Verweilzeiten in bestimmten vorgeplanten Positionen im Körper erreicht werden.
Grundsätzlich kommen verschiedene Formen der Brachytherapie zum Einsatz: 1. die intrakavitäre Brachytherapie, bei der Applikatoren in vorhandene Körperhöhlen (Vagina, Uterus) oder Hohlorgane (Ösophagus, Bronchus) eingebracht werden, sie ist besonders eine Domäne in der gynäkologischen Onkologie; 2. die interstitielle Brachytherapie, bei der die Applikatoren direkt in das Tumorgebiet auf invasivem Wege eingebracht werden; sie wird vor allem beim Prostata-Ka., beim Mamma-Ka. und bei HNO-Tumoren eingesetzt; 3. bei der Kontakttherapie wird der Applikator direkt auf das Tumorgebiet aufgelegt, wie z. B. bei Haut- oder Aderhauttumoren.
Bei den Implantationsverfahren werden sehr kleine, eingekapselte Strahlungsquellen (engl. seeds = Körner) mit relativ kurzer Halbwertszeit in den Körper eingebracht und verbleiben dort entweder kurzfristig (z. B. bei Iridium-192) oder dauerhaft (z. B. bei Jod-125), während ihre Aktivität abklingt. Eine typische Anwendung ist die permanente Seed-Implantation der Prostata mit Jod-125 (Halbwertszeit 59 d). Jod-125 gibt nur eine sehr schwach energetische Gammastrahlung ab, die den Körper des Patienten nicht verlässt und somit keine speziellen Strahlenschutz-Vorkehrungen bei der Op. und danach erforderlich macht. Durch die ultraschallgesteuerte Applikation der seeds und eine zeitnahe aufwendige 3-D-Planung ist eine präzise homogene Bestrahlung der Prostata unter Schonung der Risikoorgane möglich. Die Qualität der Behandlung ist allerdings sehr von der Erfahrung und Kooperation der klinischen Partner (Urologe, Strahlentherapeut, Physiker) abhängig.



