Chronische myeloische Leukämie (CML)
Klinik
Symptomatik: Meist schleichender Verlauf. Gewichtsverlust, Anämie, Nachtschweiß, Hyperurikämie. Ohne Tx nach 3–5 Jahren Akzelerationsphase und schließlich Blastenkrise mit dem klin. Bild einer akuten Leukämie. Selten lokalisierter Befall von Lk., Haut (Chlorome).
Diagnostik:BB, Us-Abdomen (Splenomegalie), KM-Zytologie u. -histologie, alk. Leukozytenphosphatase (-), LDH, Zytogenetik (Ph+ = Translokation t(9;22)), Molekulargenetik (BCR-ABL-Nachweis mit PCR oder FISH), anfangs 3-monatl. quantitativer BCR-ABL-Nachw. im peripheren Blut zur Kontrolle der Ansprechens auf die Tx und der Prognose.
Differenzialdiagnose: Atypische CML, kein Nachweis von Ph+ und BCR-ABL-Translokation (siehe Myeloproliferative Neoplasie – unklassifizierbar). Das BB entspricht der CML, die Prognose ist schlechter. Chron. Neutrophilen-Leukämie mit Vermehrung reifer Granulozyten, Hepatosplenomegalie, Vorformen der Granulopoese fehlen, keine BCR-ABL-Translokation, meist alte Pat., gute Prognose. Leukämoide Reaktion, andere MPS, myeloproliferativ verlaufende MDS wie CMML, systemische Mastozytose mit assoziiertem MPS.
Risikostratifizierung: Man unterscheidet die Risikostratifizierung vor Beginn der Tx: Krankheitsphase bei Diagnosestellung (chronische Ph., Akzelerations-, Blastenphase), EUTOS-Score* = 7 x Basophile (in %) + 4 x Milzgröße (cm unter Rippenbogen), > 87 hohes < 87 niedriges Risiko [3], von der Verlaufsstratifizierung, die sich nach der Ansprache auf die Tx richtet:
Therapieansprechen [4] |
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| Dauer Imatinib | Optimal | Suboptimal |
Therapieversagen |
13 Monate |
kompl. HR** + wenigstens minor CyR*** (Ph+ < 65 %) |
kompl. HR, |
keine kompl. HR* |
16 Monate |
wenigstens part. CyR*** (Ph+ < 35 %) |
keine part. CyR (Ph+ > 35 %) |
keinerlei CyR |
12 Monate |
kompl. CyR*** (Ph+ = 0) |
nur part. CyR |
keine part. CyR (Ph+ > 65 %) |
18 Monate |
major MolR****: PCR < 0,1 % |
keine major MolR: PCR > 0,1 % |
keine kompl. CyR (Ph+ > 0 %) |
Jeder spätere Zeitpunkt |
stabile MolR**** oder weitere Verbesserung |
Verlust der major MolR*** |
Verlust HR Resistenzmutationen |
CyR: zytogen. Response, MolR: molekulargen. Response
*
EUTOS-Score online: www.eutos.org/content/home/eutos_score/
** Kompl. hämatol. Response (HR): Leu < 10.000/µl, keine unreifen Granuloz., Thromboz. < 450.000/µl, Basophile < 5 %, Milz nicht palpabel.
*** Kompl. CyR, Material KM: Ph+ 0 %, partielle CyR: Ph+ 1–35 %, minor CyR: Ph+ 36-65%
**** Kompl. MolR, Material PB: keine BCR-ABL-Transkripte (PCR) nachweisbar, major MolR: Verhältnis BCR/ABL zu ABL ("housekeeping gene") < 0,1 %
Bei initialer Diagnosestellung mit hoher CML-Last reichen für Zytogenetik, Molekulargenetik meist 5 ml peripheres Blut, bei den Verlaufskontrollen mit niedriger CML-Last mindestens 10-20 ml periph. Blut einsenden!
Verlauf: Diagnose meist in chronischer Phase, charakterisiert durch Proliferation granulopoetischer Vorläuferzellen mit guter Differenzierung; mediane Dauer 4 Jahre, wesentlich längere Verläufe möglich. Nachfolgend Akzelerationsphase (Kriterien: Leukozytose > 10.000/µl u/o zunehmende Splenomegalie trotz Tx, Anstieg der Blasten im KM oder Blut auf 10–19 %, Anstieg der Basophilen auf ≥ 20 %, neue Thrombopenie < 100.000/µl oder Thrombozytose > 1.000.000/µl, zunehmende Resistenz gegenüber den bisher verwendeten antiproliferativen Substanzen) und Übergang in Blastenphase (Kriterien: Blasten im KM oder Blut > 20 %, neues Auftreten extramedullärer Blastenproliferationen = Chlorome). ÜLZ in der Blastenphase früher < 6 Mon. Durch den Einsatz von Imatinib u. a. TKI in Kombination mit SZT konnte das Überleben deutlich verbessert werden. Besondere Krankheitskompliktationen: Milzinfarkt, extramedullärer Befall (Chlorom), Leukostase-, Tumorlyse-, Sweet-Syndrom, Pyoderma gangraenosum, CML-Kachexie und Myelofibrose möglich.



