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Hämoblastosen - Myelodysplastische Syndrome - Klassifikation

Myelodysplastische Syndrome

Klassifikation

 

WHO – ICD-10 – mÜLZ

 

  • Refraktäre Zytopenie mit unilineärer Dysplasie (RCUD): RA, RN, RT
  • Refraktäre Anämie (RA) – D46.0 – 50 Mon.
  • Refraktäre A. mit Ringsideroblasten (RARS) – D46.1 – 49 Mon.
  • Refraktäre A. mit Blastenexzess (RAEB) – D46.2 – 9 Mon.
    – RAEB-1: < 5 % Blasten ohne Auer-Stäbchen (Blut), 5–9 % Blasten (KM)
    – RAEB-2: 10–19 % Blasten (KM) ± Auer-Stäbchen
  • Refraktäre Zytopenie mit multilineärer Dysplasie (RCMD) ohne/mit Ringsideroblasten – D46.5
  • MDS mit isolierter Deletion 5q – D46.6
  • MDS unklassifizierbar

 

Die RAEB/T (alte Klassifikation) mit > 20 % Blasten entspricht einer akuten Leukämie. Die CMML (C93.1) gehören nach WHO zu einer neuen Gruppe, den „myelodysplastisch/myeloproliferativen“ Erkrankungen. Eine Subklassifikation innerhalb der CMML unter Berücksichtigung der peripheren Leukozytenzahlen wurde von der FAB-Working-Group vorgeschlagen: myelodysplastische CMML (MDS-CMML) mit Leukozyten bis 13.000/ml und myeloproliferative CMML (MPS-CMML) mit Leukozyten > 13.000/ml. Der Übergang in eine akute myeloische Leukämie ist bei der MDS-CMML häufiger als bei der MPS-CMML (29 vs. 18 % nach 5 Jahren).

 

Für die Planung der Primär-Tx sollte die Prognose nach dem „International Prognostic Scoring System for MDS“ (IPSS) oder dem WHO-Klassifikations-basierten prognostischen Scoring-System (WPSS) festgelegt werden.

 

Prognostische Variablen (IPSS)

 

Score-Wert

0

0,5

1

1,5

2

Blasten im KM (%)

< 5

5–10

 

11–20

21–30

Karyotyp*

günstig

interm.

ungünstig

 

 

Zytopenie**

0/1

2/3

 

 

 

 

* Karyotyp
günstig: normaler Karyotyp, -Y, del(5q) allein, del(20q)
intermediär: alle anderen Anomalien
ungünstig: komplexe Aberration (≥ 3); Veränderung an Chromosom 7
** betroffene Linien (Granulozyten < 1.800/µl; Hb < 10 g/dl; Thrombozyten < 100.000/µl)

 

Risikogruppen: niedrig: 0; intermediär I: 0,5–1; intermediär II: 1,5–2,0; hoch: ≥ 2,5

 

WPSS (WHO-Klassifikations-basiertes prognostisches Scoring-System)

 

Variable

Score

 

 

 

 

0

1

2

3

WHO-Kategorie

RA, RARS,
isoliertes
5q-Syndrom

RCMD 

RAEB-1 

RAEB-2

Karyotyp 

gut 

intermediär 

ungünstig 

 

Transfusionsbedürftigkeit 

nein

ja

 

 

 

Eine Knochenmarkfibrose 2.–3. Grades bedingt eine Höhergruppierung um 1 Stufe. Die Knochenmarkfibrose sollte gemäß den europäischen Konsensuskriterien evaluiert werden.

 

Risikogruppe

Score

medianes OS

Risiko der Transformation
in eine AML

Sehr niedrig

0

> 10 Jahre

< 10 % in 15 Jahren

Niedrig

1

> 5 Jahre

10–20 % in 5 Jahren

Intermediär

2 (oder 1 plus
KM-Fibrose)

4 Jahre

30–40 % in 5 Jahren

Hoch

3–4 (oder 2 plus KM-Fibrose)

2 Jahre

30 % in 3 Jahren

Sehr hoch

5–6 (oder 3–4 plus KM-Fibrose)

1 Jahr

> 50 % in einem Jahr

 

Karyotyp:

 

  • Günstig: normal, -Y, del(5q), del(20q),
  • Ungünstig: komplex, Abnormalität des Chromosoms 7
  • Intermediär: weitere chromosomale Abnormitäten
  • Transfusionsabhängigkeit: wenigstens 1 Transfusion alle 8 Wo. über eine Dauer von 4 Mon.

 

Besonderheiten: Die Unterformen haben ein unterschiedliches Risiko der Transformation in eine akute Leukämie. Prognostisch ungünstig: erhöhte LDH, deutlich erhöhte Thymidinkinase, histologischer Nachweis von ALIPs (abnormal localized immature precursors), komplexe chromosomale Anomalien, Monosomie 7 und Deletion 7q-, erhöhter Blastenanteil, Koexpression von CD7. Im Einzelfall scheint die MDS-Phase sehr kurz zu sein, sodass sie klinisch okkult bleiben kann und bei AML-Diagnose nur aufgrund bestimmter zytomorphologischer oder zytogenetischer Veränderungen retrospektiv zu vermuten ist. Das 5q-Syndrom geht mit charakteristischen Megakaryozytenveränderungen (Hypolobulierung und Einkernigkeit der normal großen Megakaryozyten) und einer makrozytären Anämie einher. Überlappende hämatologische Symptomatik und KM-zytologische und -histologische Mischbilder von MDS + MPS und MDS + aplast. Anämie können vorkommen. Die wesentlichen Todesursachen sind Komplikationen der Zytopenie (Infektion, Blutung) sowie die Polymorbidität alter Pat. mit MDS. Sekundäre Hämosiderose möglich durch Polytransfusion oder kontraindizierte Eisen-Tx.